Kondensieren – nicht nur konsensieren?

Eine Reflexion über (m)einen Tippfehler.

von Silke Knöbl, September 2025

1.     Kondensieren
Durch Verdampfen eindicken. Gedanken, Emotionen und Sichtweisen reifen und verdichten sich, bis die Essenz sichtbar wird. Vom Gasförmigen ins Flüssige: verflüssigen, fliessen. Im Flow sein?!

2.     Konsensieren
Konsensieren ist eine Methode, um ein Meinungsbild festzuhalten und um Entscheidungen zu treffen, die möglichst viele mittragen können. Konsens macht Widerstände sichtbar. Doch er spiegelt nur die Stimmen der Anwesenden. Schweigen oder ein geringer Widerstand bedeutet nicht automatisch Zustimmung. Die Nichtbeteiligten und jene ohne Stimme fehlen oft am Tisch. Ein Nährboden für weitere Konflikte.

3.     Konflikte als Energiequelle
Unterschiede und Gegensätze sind keine Störfaktoren, sondern Treibstoff für Neues. Prozesse gewinnen Tiefe, wenn sie Spannungen Raum geben und diese aushalten.

Fragen, die dabei helfen können:
– Wer fehlt am Tisch, obwohl ihre Stimme wichtig wäre?
– Welche unbequemen Themen oder Menschen werden (unbewusst) ausgeblendet?
– Wie viel Zeit und wie viel Raum braucht es, damit Essenzen entstehen können?
– Und keine Frage: Gegensätze dürfen sichtbar gemacht und gewürdigt werden.

Kondensieren – nicht nur konsensieren? Beides. Je nach Situation bewusst gewählt.

Autorin:
Silke Knöbl ist Prozessbegleiterin mit Weiterbildung im systemischen Coaching sowie Kommunikationsspezialistin (auch für Leichte und einfache Sprache). Sie begleitet Menschen in Veränderungsprozessen und befasst sich vor allem mit Selbstwirksamkeit, (Bürger-)Beteiligung und Transformation. Weitere Blogbeiträge von ihr finden sich in Silky Way – das Impactblog.

Bildquelle: Pexels | Karolina Grabowska, kaboompics.com 

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